Die Zeit hier vergeht geht einfach viel zu schnell vorbei. Bin schon 4 Wochen hier und dauert ja nicht mehr lange, bis ich dann Besuch bekomm. Übernächstes Wochenende wohl von Melanie und einem Freund von ihr, BA-Kollegin und das Wochenende darauf kommen Andi und Martin. Danach ist es nur noch eine Woche und ich darf/soll/muss wieder zurück nach Stuttgart. Ist schon komisch. Eigentlich gefällt es mir hier täglich besser. Jeden Tag kann man neue Dinge ausprobieren und herausfinden. Bei der Größe Pekings würde es mir wohl noch ne Weile so gehen
J Na ja, aber erst heißt es, die verbleibende Zeit zu genießen, bzw. das Geschehene für Euch Daheim-Gebliebenen niederzuschreiben und für die Ewigkeit zu dokumentieren. Mein 4. Wochenende stand also in Peking an. Anfangs gab es ja schon ein paar Pläne, was ich machen würde: Placebo-Konzert Samstagabend und Sonntag Fußballspielen mit den Mitarbeitern von Roto gegen eine Betriebsauswahl eines Lieferanten.
Freitag war aber erst noch frei. Hab kurzfristig den Kriss, Praktikant bei der GTZ, gefragt, ob er nicht Lust hat, was zu unternehmen. Der Kriss hat im Sommer erst sein Abitur gemacht, aber sagt schon von jeher, dass er nach China will und setzt das ganze auch wirklich konsequent um. Hut ab.
Sind dann erst Essen gegangen und anschließend noch in diverse Bars in Sanlitun. War sehr, sehr witzig, weil wir ewig viele Leute kennen gelernt haben und die Kneipen echt günstig waren… Musik in den Clubs war auch nicht schlecht, also haben wir’s da auch ne Weile ausgehalten. Irgendwie waren da am Freitag nur Europäer unterwegs. Hab mir aber sagen lassen, dass das so normal ist, weil die Chinesen nicht so auf Kneipen, sondern eher auf Karaoke stehen.
Der Samstag war dann dementsprechend von Freitagabend eingeschränkt, weil ich’s mal wieder nicht wie gehofft früh aus dem Bett geschafft hab. Hab also erst mal den halben Tag im Bett verbracht, was auch mal so richtig gut getan hat, bevor ich mich wieder mit Kriss getroffen hab, um zum Placebo-Konzert aufzubrechen. Haben uns bei seinem Büro getroffen, von wo aus man ne super Aussicht auf die Skyline Pekings hat. Echt beeindruckend. Bei uns gibt’s so was leider nicht zu sehen, weil Roto eher am Stadtrand Pekings angesiedelt hat. Hat aber rein logistische Gründe, weil’s eher umständlich wäre, mit LKWs quer durch die Pekinger City zu fahren…
Haben uns dann schließlich so um 6 Uhr auf den Weg zu besagtem Konzert gemacht und waren erst mal schon beeindruckt. Das Konzert war ja mit der Höhepunkt des Beijing Pop Festivals, das insgesamt 2 Tage gedauert hat und es war auch ziemlich viel Rahmenprogramm geboten. So hat einer der Sponsoren (Burton) eine Snowboard-Ramp in den Park gestellt, auf der Profis ihre Moves zum Besten gegeben haben. Das Konzert selbst war auch sehr gut, wenn auch die Organisation besser hätte sein können. Das Gelände an sich wäre perfekt gewesen: Das Festival war mitten in einem Park und schon von der natürlichen Beschaffenheit her wie ein Theater aufgebaut, also außen höher, in der Mitte flach. Leider aber haben die Organisatoren mit mehr VIPs als normalem Fußvolk gerechnet, weshalb der größte Platz vor der Bühne eben für die VIPs reserviert war und wir als gemeiner Pöbel das Volk aus gut und gerne 50 m Entfernung verfolgen mussten. Hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan und ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht auch zur Deutschlandtour im Herbst auf ein Placebo-Konzert gehen soll. J Haben einfach echt total die schönen melancholischen Songs und spielen live echt genial. Hatten sich zwar keine Mühe gemacht, vorher chinesisch zu lernen, was bei der Tatsache, dass 90% der Zuschauer nicht-chinesisch waren aber auch niemanden gestört hat J. Das Beijing Pop Festival wurde dieses Jahr aber auch erst zum 2. Mal organisiert. Ich denke, dass Konzerte noch nicht so populär in China sind, wie in anderen Teilen der Welt. Placebo hat z.B. am Wochenende sein erstes Konzert in China gespielt. Ich denke, da geht es vielen anderen Bands nicht anders. Es ist allerdings auch möglich, dass die billigen Eintrittspreise und das noch sehr geringe Interesse China bisher relativ uninteressant für große Bands machen.
Nach dem Konzert hab ich mich, noch von Freitagnacht gekennzeichnet, relativ schnell auf den Weg nach Hause gemacht. Für Sonntag stand ja mein erstes Fußballspiel auf dem Programm. Und hat echt Spaß gemacht. Ich durfte im linken Mittelfeld spielen, wobei die Aufstellungen nach wenigen Minuten bereits vergessen zu sein schienen. Was den Chinesen aber an Taktik und Technik gefehlt hat, haben sie die ersten 10 Minuten aber durch Eifer und Einsatz wettgemacht. Anschließend hat sich aber bemerkbar gemacht, dass die meisten der Spieler mehr als eine Schachtel Zigaretten am Tag raucht…
Ist übrigens als Nicht-Raucher sehr unangenehm, weil man selbst als Nicht-Raucher dazu genötigt wird, zu rauchen. Wenn man angebotene Zigaretten ablehnt, werden die einem so lange hingehalten, bis man doch eine nimmt… Aber keine Angst, wird mir garantiert nicht das Rauchen anfangen… Schon aus Prinzip nicht.
Zurück aber zum Spiel: Da ich in der 2. Hälfte noch der einzige war, der gelaufen ist, hab ich’s auch geschafft, 2 Tore zu schießen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht einmal weiß, wer gewonnen hat. Bin bei einem fiesen Foul dumm gestürzt und hab mir auf dem Kunstrasen mein rechtes Schienbein aufgerieben… Denk, ich das wird mich die nächsten Nächte noch um die ein oder andere Stunde Schlaf bringen, aber die Chinesen haben gesagt, dass ich gut Fußball spiele. Könnte aber auch daher kommen, dass Chinesen einfach nur sehr höflich sind und mir sowieso nie sagen würden, dass ich ohne Ende schlecht bin J
Haben auf jeden Fall 2 Stunden lang mit der ein oder anderen Pause gespielt und hat echt Spass gemacht. Ich hoffe, ich darf beim nächsten Mal auch wieder mitspielen.
Den Abend hab ich dann noch genutzt um das Wochenende standesgemäss ausklingen zu lassen. War wieder bei der Massage, dieses Mal war aber Kriss dabei, also ein Zeuge, dass das ganze auch echt seriös ist. J
Waren anschließend noch in einer schönen kubanischen Bar einen Happen Essen und war um 11 Uhr glücklich, in meinem Bett zu sein.
Ihr seht, ich hatte ein schönes Wochenende, auch wenn ich mich etwas schlecht fühle, wenig Kultur besichtigt zu haben, abgesehen von dem Park, wo das Festival war. Aber hab mir für nächstes Wochenende eine kleine Tour mit Kriss vorgenommen und ich werde ja auch noch viele Sachen mit meinem Besuch anguggen gehen. Ich hab ja zum Glück noch etwas Zeit.
Heute war es dann auch wieder in der Arbeit echt interessant. War zusammen mit einem Kollegen bei einem Lieferanten am anderen Ende Pekings. Anderes Ende heißt, wir waren jeweils über ne Stunde unterwegs um hin und zurückzukommen. Aber hat sich gelohnt. Die „Fabrik“ des Lieferanten war ziemlich klein und auch von außen ziemlich schäbig. Verschiedene Teile sind überall verstreut im Hof gelegen, aber als wir dann in die Halle gekommen sind, die von außen mehr wie eine zusammengeschusterte Hütte gewirkt hat, war ich echt überrascht. Da waren wirklich Automaten aufgestellt, die von alleine arbeiten und wo die Arbeiter die zu bearbeitenden Güter nur aufhängen müssen und die Maschine macht dann alles von allein. War also echt professionell. Der Harken: Qualität kostet auch in China seinen Preis. Sei es, man kauft Elektro-Artikel oder eine Dienstleistung. Die Preise hier sind ähnlich denen in Deutschland.
War auf jeden Fall sehr beeindruckend. Leider hatte ich meine Kamera nicht mit, aber ich hoffe, dass ich wieder mal zu einem Lieferanten mitgenommen werde.
So, jetzt noch ein paar Fotos.
Gruß in die Heimat.

In dem Park wo das Konzert stattgefunden hat: Ein Geschenk der PartnerstadtBärlin
Sonntab bei der action. Ja, ich war wirklich beim Fussballspielen. Aber haben auf einem gemeinen Kunstrasen gespielt... Folgen waren eine fiese Schürfwunde am Schienbein. Bilder hiervon will ich euch aber hier vorenthalten. siehe unten.

Beim Konzert. Der Blick war nicht der beser, aber das Konzert war echt gut. War mal was andres für Pekinger Verhältnisse.

Tja, ich hab sogar auch dagesessen und geschwitzt